HDR Fototechnik die Kurzfassung, in einem Satz.

Die HDR-Technik behebt das technische Defizit einer jeden Kamera gegenüber dem menschlichen Auge.

HDR-Technik erklärt, die lange Fassung.

HDR (High Dynamic Range Image) war mal eine Spielart für Fotografen, die das außergewöhnliche Bild suchten. Heute ist die HDR-Technik vollends als Bestandteil der ganz normale Bildbearbeitung angekommen.

Dazu muss man verstehen was HDR eigentlich ist und warum sie angewendet wird. Unser menschliches Auge hat einen Kontrastumfang (Dynamikumfang) von ca. 20 Blendenstufen, wohin gegen eine moderne Kamera ca. 12 hat und eine JPG-Datei nur ca. 8 Blendenstufen hat. Hieraus ergibt sich, das die Kamera ein Bild ganz anders sieht, als der Mensch und erst recht, wenn eine Software das Kamerabild in einer JPG-Datei umgewandelt hat. Dann sieht der Mensch am Monitor nicht das Bild, was er in Erinnerung hat und ist verwundert und enttäuscht.

Foto erstellt von Ralf Eckert - www.ralf-eckert-fotoproduzent.de

 

HDR-Technik kommt ab wann zum Einsatz?

Erstelle ich ein ganz normales Foto und habe in Ihrer Kamera die Hell/Dunkel Warnung aktiviert und es blinkt auf dem Display an allen möglichen Ecken und Ende, dann ist es Zeit für die HDR-Technik. Die Alternative wäre, sich mit dem nicht perfekten Foto zufrieden zu geben. Nicht perfekt deshalb, weil schon die Kameraauswertung durch Blicken anzeigt, dass bestimmte Bereich im Bild keine Zeichnung mehr aufweist. Sie also durch und durch weiße oder schwarze Bereich im Bild sind und genau diese, besonders die schwarzen Flächen, neigen zum Bildrauschen. Mit einem Blick über den Kamerabody hinweg, sehen Sie selbst aber in diesen Bereich noch Zeichnung, die Kamera sieht da aber nix mehr, sondern nur eine ausgefressene oder abgesoffene Fläche. Die Technik Ihrer Kamera kann mit Ihrem Auge nicht mithalten. Das hat nichts mit dem Preis der Kamera zu tun, sondern ist Kameratechnisch von Haute (zu miedest Heute, Jan. 2018).

HDR-Technik beim täglichen Fotografieren

Anfänglich wurde die HDR-Technik gerne für sogenannten „Bombom Bildern“ verwandt, also Bildern die deutlich farblich übersättigt sind. Gewiss ein eigener Look, aber nicht ausschließlich das, was die HDR-Technik wirklich aus macht und leisten kann.

Die HDR-Technik ist eigentlich dazu gedacht, die oben angesprochenen fehlenden 12 (Auge zu JPG-Datei) Blendenstufen zurück ins Bild zu holen, soweit das Technisch möglich ist. Nun benötigt man nicht gleich immer alle 12 Blendenstufen, denn nur selten sind diese extremen Lichtverhältnisse vorhanden. Man könnte jetzt annehmen, das das im Regelfall nur bei Außenaufnahmen der Fall ist. Wie noch zu zeigen ist, können diese Lichtsituationen durch aus auch in Räumen vorkommen, die noch nicht mal ein Fenster haben.

Vorbereitungen für die Aufnahme

Das menschliche Auge gleicht an der Location weitest gehend die Lichtsituation von selber aus. Aber was sieht die Kamera am gleiche Ort und was davon kann die Kamera verarbeiten? Um diese Frage zu klären, ist es unumgänglich Belichtungsmessungen mit der jeweiligen Kamera durchzuführen. Jede Kamera hat einen anderen Dynamikumfang, das liegt auch mit am verwandten Objektiv, also an der Kamera / Objektiv Kombination. Jede Kamera muss als nach eigenen Kriterien eingestellt werden.

Eingestellt bedeutet, alle Kamerawerte bis auf die Belichtungszeit sollten / müssen fest eingestellt werden. Der Focus, die Blende (z.B. 8), der ISO-Wert (z.B. 100) und der Weiß- / Farbabgleich (in Kelvin) sollten / müssen fest gewählt werden. Der ISO-Wert sollte wenn irgend möglich, immer auf den niedrigsten technischen Kamerawert eingestellt werden. Nicht den niedrigsten möglichen, denn manche Kameras bieten einen niedrigeren an, der aber nur durch Software in der Kamera realisiert wird, den sollten Sie bei HDR nicht nutzen.

Einzig die Belichtungszeit, ist also in der HDR-Technik die Variable, mit der die Fotos gemacht werden.

Noch mal: Nur die Belichtungszeit ist variabel bei der HDR-Technik !!

Wie Sie manuell fokussieren, dürfte jedem Fotografen, der sich für die HDR-Technik interessiert, bekannt sein. Eben so, dass Einstellen einer festen Blendenzahl und des ISO-Werts.

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Beim Weiß- oder Farbabgleich wird es schon schwieriger. Jetzt könnte man sagen, das spielt eh keine Rolle, da ich ja im RAW Fotografiere. OK, mag sein. Meine Erfahrung zeigt mir aber, das alles was ich im Vorort einstellen kann, ich später am PC nicht erraten muss. Grund ist, das sich die Lichtfarbe während einer Aufnahmereihe ändern kann, z.B. bei schnell ziehenden Wolken. So kann es passieren, das wenn die Kamera automatisch den Farbabgleich bestimmt, bei einer Belichtungsreihe von z.B. 9 Bilder, in jeder Datei ein andere Kelvinzahl als Orientierung zwischen gespeichert wird.

Meine Empfehlung ist, machen Sie ein Testbild mit einer mittleren ausgewogenen Belichtung und schauen in die Bildwerten, was die Kamera für diese Lichtsituation in Kelvin ermittelt hat. Dieses ist ein guter Ausgangspunkt zur feste Einstellung des Kelvinzahl, zu mal Sie mit dem einen Foto auf dem Display schon ein Ergebnis erhalten, an dem Sie sich orientieren können. Sollte die Kelvinzahl völlig daneben liegen, z.B. bei einer Schneeaufnahme, können Sie hier schon korrigierend eingreifen und nicht erst am PC. Wo es natürlich auch noch geht, wenn in RAW Fotografiert wird.

Ermittlung der benötigten Anzahl an Bildern, aus zwei Möglichkeiten können Sie wählen:

Möglichkeit 1. Über die Spotmessung der Kamera. Da bei ermitteln und errechnen Sie im Vorfeld der Aufnahme, wie viel Bilder mit welcher Zeiteinstellung für die Belichtungsreihe erforderlich ist.

Möglichkeit 2. Oder, Sie Arbeiten ausschließlich mit dem Histogramm, unter zu Hilfenahme des Live-View, der Kamera auf dem Display.

Beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile. Welche Sie einsetzen sollten, hängt deutlich von der Aufnahmesituation und Ihrem Geschick ab.

Möglichkeit 1 erfordert eine schnelle Auffassungsgabe, den hellsten und dunkelsten Punkt im Bild zu erfassen und jeweils einmal zentral mit der Kamera anzuvisieren und durch halbes drücken des Auslösers an zumessen. Sie bekommen, mit den vorher fest eingestellten Werten, für beide Punkte (Super Hell und absolut Dunkel) je eine Belichtungszeit angezeigt. Im Kopf oder per App ermitteln Sie dann, wie viele zeitliche Belichtungsstufen dazwischen liegen, sprich wie viele Bilder sie machen müssen und fotografieren dann, alle Belichtungszeiten der Reihe nach ab. Bedenken Sie, dass mit dem hantieren einer APP sich die Lichtsituation (Hell/Dunkel) schon wieder geändert haben kann, bis sie so weit sind. Eine App ist nett, es geht aber auch anders (s. Möglichkeit 2).

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Hat man diese Herangehensweise erst mal fest im Griff (Kopfrechnen), ist sie die schnellste Möglichkeit eine Belichtungsreihe zu erstellen. Dazu ist bei Einsatz moderner Software, wie HDR projects noch nicht ein mal ein Stativ zwingend erforderlich. Voraussetzung, der Fotograf hat einen sicheren Stand und eine einigermaßen ruhige Hand, den das o.g. Programm ist in der Lage Verwackelungen bis zu einem bestimmten Maß, heraus zu rechnen.

Diese Möglichkeit ist aber auch mit potenziellen Fehlerquellen behaftet. Das geht schon Los bei der Bestimmung des hellsten und dunkelsten Punkt. Hier Treffsicher zu Arbeiten bedarf schon einer gewissen Erfahrung. So wie, dass ruhig halten der Kamera über mehrere Auslösungen hinweg bei veränderter Einstellung der Belichtungszeit. Der Mensch selber merkt die Verwacklung während der Aufnahmen meist nicht erkennen. Erst am PC werden diese bei der Verrechnung sichtbar, ob sie zu heftig waren. Ist die Verwacklung zu heftig, ist die Aufnahme für die Mülltonne.

Mehr als eine Reihe von 5 Aufnahmen wir Ihnen kaum ohne Verwackelung, die so deutlich ist das selbst HDR projects diese aus gleichen kann, gelingen. Sehr Wichtig dabei ist, das die längste Belichtungszeit nicht den Kehrwert der gewählten Brennweite unterschreitet. Z.B. gewählte Brennweite 50mm, dann sollte die niedrigste Belichtungszeit nicht unter 1/50 liegen, kürzer sollten Sie mit ein wenig Übung halten können.

Damit wird auch schnell klar, das Sie bei dieser Möglichkeit ohne Stativ nicht weit kommen. Um die Schattenpartien scharf in die Aufnahme zu bekommen, bedarf es meist einer längeren Belichtungszeit. Und gerade das sind ja die Informationen, die Grundlage der HDR-Technik sind.

Dennoch wird es immer Situationen geben, in der diese Möglichkeit ihre Berechtigung hat. So z.B., wenn kein Stativ aufgebaut werden darf oder kann.

Möglichkeit 2 fußt zum einen auf dem Einsatz eines guten Stativs und zum anderen, dass sich die Fotosituation nicht zu kurzfristig ändert. Man könnte auch sagen, es sich um ein er statisch Foto handelt, z.B. Landschaftsaufnahmen oder Aufnahmen in Räumen mit und ohne Fenster.

Da bei dieser Möglichkeit doch recht viel an der Kamera selber hantiert wird, sollte sie auf einem stabilen Stativ aufgestellt werden. Wobei ich damit meine, ein Stativ das die Tragkraft von Kamera + Stativkopf + sonstigem Zubehör stabil aufnehmen kann und nicht nur so eben hakelig halten kann. Ein guter Ansatz für die Traglast des Stativs dabei ist, Kameraboby * 5 in kg. Dann sollte das Stativ genügen Reserven aufweisen.

Wie schon oben erwähnt, werden die Einstellungen Focus, Blende, ISO und Weißabgleich (Kelvin) auch hier fest gewählt und über das Einstellrad der DSLR sollte die Zeit einstellbar sein. Die Ausrichtung der Kamera ist erfolgt und es kann somit direkt ohne Vorbild los gehen. Drehen Sie die Belichtungszeit so herunter, das das Display fast dunkel ist. Das Foto also total unterbelichtet ist! Das mit eingeblendete Histogramm sollte bei der ersten Aufnahme folgendes Merkmal aufweisen. Der Ausschlag, der die hellsten Stellen im Foto ausweist, sollte den rechten Drittelspunkt im Histogramm nicht überschreiten.

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Nun liegt es an Ihnen, das Intervall zur Verlängerung der Belichtungszeit selbst zu bestimmen, bis sie ein deutlich überbelichtetes Foto erhalten. Mit diesem Intervall müssen jetzt so viele Aufnahmen gemacht werden, bis der Ausschlag des dunkelsten Bereichs auf dem Histogramm den linken Drittelspunkt überschritten hat.

Wie viele Aufnahmen Sie dabei machen müssen, hängt einzig am Kontrastumfang des gewählten Bildausschnitts und der Kamera / Objektiv Kombination und dem gewählten immer gleichen Zeitintervall ab, z.B.:
Variante 1: 1/2000, 1/500, 1/125, 1/30, 1/8, 1/2, 2 sec – (jeweils 2 Blendenschritte)
Variante 2: 1/2000, 1/1000, 1/500, 1/250, 1/125, 1/60, 1/30, 1/15, 1/8, ¼, 1/2, 1, 2 sec – (jeweils 1 Blendenschritt)

Welche der beiden Variante liefert das bessere Bild? Ganz klar Variante 2, das Programm kann bei mehr Aufnahmen den Kontrast im fertigen Bild besser heraus arbeiten, weil mehr Informationen zur Verfügung stehen. Bedenken Sie, die Fotosituation ist einmalig, die Bearbeitung am Rechner kan so oft wiederholt werden, wie Sie wollen, aber nur wenn das Ausgangsmaterial in guter und ausreichender Qualität vorliegt. Also lieber je 1 Aufnahmen an beiden Enden der Belichtungsreihe mehr gemacht, als hinterher festzustellen, dass Sie doch nicht ganz korrekt das Histogramm abgelesen haben.

Nur bei der Möglichkeit 2 stellen Sie sichern, dass alle Kontrastinformationen einmal korrekt von der Kamera erfasst wurden. Hinfällig ist damit die oft zu lesende Aussage im Netz: „Ich mache meine HDR Belichtungsreihen immer mit 3 (ein anderer sagt 5) Aufnahmen.“ Natürlich kann das Ausreichend sein, ja nach Situation und Kamera / Objektiv Kombination.

Habe ich die neueste EVIL, MILC oder DSLR Kamera mit einem TOP-Objektiv drauf, kann das auch gut sein. Habe Sie eine solche Kombination nicht, wird die Kamera einen anderen Dynamikumfang aufnehmen und Sie müssen mehr als 3 o. 5 Bilder machen. Bei dem beliebten Sonnenuntergang sind auch schnell 9 bis 13 Aufnahmen nötig.

So viele? Ja kann passieren und auch genau daraus ergibt sich, Sie sollten Ihre Kamera gut im Griff haben und nicht Lage in der Situation mit der Suche nach den Einstellungen verbringen müssen. Viel viel wichtiger ist es, Zeit für die Bildkomposition zu haben, als im Handbuch auf dem Tablet zu suchen.

HDR-Technik pauschalieren, geht das?

Nein! Pauschale Aussagen haben in der HDR-Technik nichts zu suchen. Jede Aufnahmesituation ist anders, ob am Polarkreis bei Mitternachtssonne oder am Äquator bei praller Sonne. Die HDR-Technik soll das Unvermögen der Kameratechnik gegenüber dem menschlichen Auge ausgleichen und kann somit nicht pauschaliert werden. Das Auge reagiert in Millisekunden, die Kamera mit entsprechend vielen Aufnahmen.

Kann man mit der HDR-Technik nur Stillleben / Landschaften fotografiere?

Nein! Das geht auch, wird aber erst bei der Entwicklung mit HDR projects in Teil 2 erklärt.

Hier noch ein Video was die ganze Sache verdeutlicht. Gearbeitet wird hier aber mit einer automatischen Belichtungsreihe, die in vielen Fällen weiterhilft, aber eben nicht in den besonderen Fotomomenten, da ist man dann doch wieder auf das Wissen um die Möglichkeit 2 angewiesen.

Quelle: Youtube.com

OK, das war die Langfassung, im Gegensatz zur Kurzfassung. Aber wie geht es weiter, bis jetzt sind „nur“ die Aufnahmen auf der Speicherkarte. Sehen tun Sie noch nix.

HDR-Bilder entwickeln.

Die nächsten Schritte in der HDR-Technik, kommt in Kürze hier.